15.09.2018
18:45-19:30
Festivalbühne

VIECH zelebrieren seit jeher ihren ausgeprägten Hang zur Eigenheit. Auf dem neuen Album „Heute Nacht nach Budapest” verweigern die schwarzen Vögel nun endgültig den Flug in den Süden. Kompromisslos setzen sie sich über die vermeintliche Intelligenz des Schwarms hinweg und besinnen sich auf ihre erprobte Kernkompetenz: textstarke Popmusik, die sich nicht nach dem Wind dreht.

Zehn Songs beinhaltet das dritte Studioalbum des steirisch-oberösterreichischen Trios. Darauf peitschen Paul Plut (Gesang, Gitarre), Christoph Lederhilger (Schlagzeug) und Martina Stranger (Bass) ein schroffes, aber schillerndes Arrangement vor sich her. Die Sprache als Spielgefährtin, holen sie allerhand Charaktere auf die Textbühne: vom reuigen Tunichtgut („Jeder tut halt was er kann | was nicht viel ist in meinem Fall”) bis zum Eigenbrötler ohne Gefallsucht („Wie schnell man doch vergisst, dass man nicht alle Menschen mag”)

„Ich hab viele Fehler gemacht” – so heißt dann auch schon der Vorbote auf den neuen Tonträger. Dem Trio ist dieses Bekenntnis allerdings nicht zu entlocken:

„Wir haben das Album in einem aufgelassenen Bürogebäude in Simmering eingespielt. Die Mieten sind billig, dafür sind die Wände dünn. Wir arbeiten dort Tür an Tür mit einem ungarischen Versicherungsmakler. Haben uns gleich zu Beginn eine Instrumentenversicherung andrehen lassen. Damals hatte er immer seinen Porsche vor der Tür geparkt. Heute liegt seine Zahnbürste im Waschbecken am Gangklo. Manchmal verlierst du, manchmal gewinnen die anderen. Hat das Boris Becker gesagt? Worauf wir hinaus wollen: Wir haben ein neues Album, und es ist das Beste, was dir in nächster Zeit um die Ohren fliegen wird.“

Fest steht, dass VIECH seit ihrer Gründung 2011 vieles richtig gemacht haben. Zwei Mal war die Band bereits nominiert für den FM4 Amadeus Austrian Music Award. Große Auftritte am Nova Rock Festival und am Wiener Donauinselfests folgten wenig später. Und ihre Live-Shows beweisen nach wie vor: Hier brennt österreichischer Dreck unter den Nägeln. Und spätestens, wenn sich die selbsterklärten Widerspenstigen zu einer ihrer zwielichtigen Anekdoten aufschwingen, verdunkelt sich die Sonne – und wir wissen: Hier erobert eine Schar sympathischer Käuze den heimischen Pophimmel. Vorhang auf für die Dunkelheit. Vorhang auf für VIECH.